„Es gibt keine Tyranneien, die nicht versuchen, die Kunst einzuschränken, weil sie die Macht der Kunst sehen. Kunst kann der Welt Dinge sagen, die sonst nicht geteilt werden können. Kunst vermittelt Gefühle.“

- Volodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

Individualism

2012 10 04 17.26.07 (c)image: M HKA
Statue de la liberté – pose finale de la performance du mesuRAGE Remake des oeuvres exposées à l’ICC en 1980, 1980-2012
Print

Diese seltenen frühen Arbeiten von ORLAN zeugen von ihren bahnbrechenden Performances der 1970er Jahre, in denen sie ihren eigenen Körper als absolute Referenz nahm. Mit diesem Körper als Messreferenz vermaß sie zwei verschiedene Themen: kulturelle Institutionen und Straßen mit den Namen einer männlichen Person. ORLAN entscheidet sich nicht für die Klage, sondern für die visuelle Konversation, ein Spiel, an dem man teilnehmen kann, mit einer Freude, am Dringenden und dabei humorvoll bleibt. Die Frau von Orlan ist emanzipatorisch und stark. Eine Frau, die ihren Körper und ihr Schicksal vollständig unter Kontrolle hat.
Die Performances von ORLAN in den 1970er Jahren sind nicht nur inhaltlich besonders — eine Frau, die die männliche Macht an sich selbst misst — sondern auch in ihrer formalen Entwicklung. Sie hatten kein Publikum, sondern Zeugen, die sich abmelden mussten. ORLAN kroch auf dem Boden und markierte jede Länge mit Kreide. Am Ende der Messung wusch sie das Kleid, das sie dafür benutzt hatte, und bewahrte Proben des Schmutzes in kleinen, versiegelten Flaschen auf. Eine davon hielt sie dann in die Höhe, so wie die Freiheitsstatue eine Fackel hochhält, wobei das Wasser mit dem Schmutz das Ergebnis ihrer Messübung war.