„Es gibt keine Tyranneien, die nicht versuchen, die Kunst einzuschränken, weil sie die Macht der Kunst sehen. Kunst kann der Welt Dinge sagen, die sonst nicht geteilt werden können. Kunst vermittelt Gefühle.“

- Volodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

Landscape

Even further © Nikolay Karabinovych
Якнайдалі / Even Further, 2020
Video , 6’22”

Even Further ist, wie der Titel vermuten lässt (ein bestimmter Wunsch + eine Richtung), eine Arbeit über eine imaginäre Zukunft.  Es entstand aus den Überlegungen des Künstlers über Zufälle, unterbrochene Leben, verpasste Gelegenheiten zur Begegnung und Wiederauferstehung als Wiedergutmachung für das Verpasste. Könnten sich Menschen, die unter verschiedenen Katastrophen gelitten haben, vorstellen, dass sich ihre Kinder einmal treffen würden? Wo könnte eine solche Begegnung stattfinden? Wie würde der Ort ihrer Begegnung klingen? Diese Fragen sind der Schlüssel zum Verständnis dieses Werks. 
Ein Touristenbus erscheint im Bild. Eine Gruppe von Menschen steigt aus dem Bus aus und folgt der Reiseführerin. Mehrere Minuten lang hören sie der Führerin aufmerksam zu. Ihre Rede ist, wie das Werk selbst, mit komplexen kulturellen und historischen Bezügen aufgeladen. Even Further spricht in seinem eigenen Dialekt, der die Toponyme, die Geschichte und den Geist der Orte widerspiegelt, die Karabinowytsch  auf seiner Suche nach dem perfekten Drehort besucht hat. Der Künstler ging weiter und weiter und reiste zwischen Odesa, Kiew, Gent, Amsterdam, Sainte-Croix, Berlin, Zürich, Stuttgart, Istanbul, Tiflis, Saloniki, Groningen, Antwerpen, Bratislava, Czernowitz und Sadagora. Nur um dann festzustellen, dass es er gar nicht so weit zu gehen brauchte. Nach all dem Umherwandern wurde der perfekte Ort gefunden — die märchenhafte Landschaft der salzigen Flussmündung Kuyalnik, nicht weit von seiner Heimatstadt Odessa entfernt. 
Der Soundtrack zu Even Further ist ein Lied, über dessen Ursprung noch immer gestritten wird. Die griechische Version dieses Liedes erzählt von unerwiderter Liebe, während es in der jüdischen Klezmer-Version darum geht, einen jungen Mann in den russisch-japanischen Krieg von 1905 zu verabschieden. Die gleiche Tonfolge ruft völlig unterschiedliche Gefühle hervor. Was könnte eigentlich zwischen den Menschen geschehen, die diese Melodie spielen? — Diese Frage spiegelt die komplexe Geschichte der Diaspora im Süden der Ukraine und insbesondere im multikulturellen Odesa wider.